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Das Glossar und ausgewählte Zazä-Notizen
Im Vorwort zum Glossar erklärt Lerch, warum er seine Wortvergleiche überhaupt veröffentlichte. Ursprünglich waren sie nicht für den Druck bestimmt. Er hatte die Vergleiche kurdischer Wörter mit anderen iranischen Sprachen zunächst für sich selbst angelegt, um die Lautverhältnisse der ihm bekannten kurdischen Idiome und Dialekte besser zu verstehen. Da er in der Lautlehre immer wieder auf dieses Material zurückgreifen musste, entschied er sich, es zugänglich zu machen.
Für den Zazä-Kontext ist wichtig, dass Lerch das Glossar nicht als bloße Wortliste versteht. Es gehört zu seinem größeren Versuch, die kurdischen Sprachproben, die Texte und die Laut- und Formenlehre miteinander zu verbinden. Er erinnert daran, dass er die Verbreitung des Zazä-Idioms bereits in seinem Reisebericht behandelt hatte.
Danach erwähnt er eine kleine Sprachprobe aus Hedrüs, einem Dorf zwischen Temišgezék und Gumîš-Madén. Er hatte sie in Roslawl von einem Kurden namens Mustafä aufgezeichnet, der aus diesem Dorf stammte. Die Probe bildet den Anfang eines Märchens. Für dieses Projekt sollte der Märchentext selbst nicht wiederholt werden; wichtiger ist Lerchs anschließende Einschätzung. Er hält Mustafä nicht für einen besonders geschickten Erzähler und zählt dessen Mundart zum Kurmändi-Idiom.
Lerch wiederholt hier auch seine frühere Vermutung, dass sich die kurdische Sprache in fünf Zweige teile: Zazä, Kurmändi, Kelhüri, Guräni und Lüri. Zugleich bleibt er vorsichtig. Die ihm verfügbaren Texte und Wörtersammlungen gehören größtenteils zu Zazä und Kurmändi. Erst die Untersuchung von Wortschatz, Lautlehre und Grammatik könne zeigen, wie die Mundarten von Suleimania und Sina einzuordnen seien; für Lüri fehlten ihm noch ausreichende Proben.
Das Glossar selbst ist nach den veröffentlichten Texten und den übrigen Aufzeichnungen aus Roslawl angelegt. Dazu gehören auch Wörter, die Lerch nur in Volksliedern begegneten. Er teilt das Glossar in zwei Abteilungen: eine für Kurmändi und eine für Zazä. Um Wiederholungen zu vermeiden, verweist der Zazä-Teil häufig auf den ersten, Kurmändi betreffenden Teil.
In den Nachträgen gibt es einige kleine, aber für Zazä nützliche Hinweise. Einer davon notiert schlicht, dass Zazä die Postposition ver besitzt. Ein anderer betrifft den Vogelnamen go'in: Lerch verbindet die Zazä-Formen gö'en und gö'in mit neupersischem xun und erklärt sie über einen Übergang von v zu einem hinteren Reibelaut; als vermittelnde Formen nennt er Kurmändi xo'in und xu'in. Diese etymologischen Notizen sind eher technisches Material, aber sie zeigen, wie eng Lerch Glossar, Texte und vergleichende iranische Sprachwissenschaft miteinander verband.
Zeugenhinweis: Die in diesem Durchgang gecachten russischen Seiten geben nicht das ganze hier ausgewählte deutsche Material wieder. Der deutsche Abschnitt über Mustafä aus Hedrüs und die fünf Zweige wirkt gegenüber dem russischen dritten Buch erweitert oder nicht parallel; die russische Einleitung bietet nur eine kürzere verwandte Zazä-Bemerkung. Zu den Nachträgen enthält das russische dritte Buch zwar die zugrunde liegenden Zazä-Glossareinträge für ver und go'ên, die ausführlichere deutsche etymologische Erklärung zu go'en/go'in wurde aber noch nicht als genaue russische Parallele gefunden.