Abschnitt 3 von 5
Das Gespräch mit Hassan als Quellenkontext
Der kurze Dialog mit Hassan zeigt, welche Art von Informationen Lerch direkt bei seinem wichtigsten Zaza-Gewährsmann erhob. Hassan nennt seinen Stamm Sivän und sagt, dieser Stamm umfasse vierunddreißig Dörfer. Die vollständige Dorfliste gehört in die Textapparat- oder Dialogedition; für diesen Kontextpost ist vor allem wichtig, dass Lerch hier nicht nur einzelne Wörter, sondern auch soziale und geografische Angaben aus der gesprochenen Auskunft gewinnt.
Hassan nennt sein eigenes Dorf Kasan. Nach seiner Auskunft hat Kasan sechzig Häuser. Auf Lerchs Fragen beschreibt er außerdem Garten und Haushalt: Maulbeer-, Apfel-, Aprikosen-, Pfirsich- und Granatapfelbäume sowie Weinstöcke werden genannt; die anschließende Frage nach Räumen, Hütten und Häusern zeigt zugleich, wie schwierig es ist, die lokalen Wohnbegriffe glatt in europäische Kategorien zu übertragen.
Der Dialog hält auch fest, dass Hassan und seine Leute im Sommer auf die Yayla bzw. ins Sommerlager gehen. Sie ziehen im Monat Temüz hinauf, wohnen dort in schwarzen Zelten oder, wenn vorhanden, in Hütten und kehren im ersten Herbstmonat zurück. Diese Stelle ist als ethnografischer Kontext wertvoll, auch wenn sie nicht als selbständiger Erzähltext behandelt werden muss.
Am Ende fragt Lerch nach den Fehden, die Hassan erlebt hatte. Hassan nennt Kämpfe zwischen Nerib und H'yeni, zwischen Ahmed Beg und Sivan, zwischen Sivan und Awdullah Beg, zwischen Karbegan und Sivan sowie, nach der deutschen Übersetzung und der Zaza-Zeile, zwischen Wesin und Sivan. Die russische Prosübersetzung scheint diesen letzten Punkt auszulassen. Hassan schließt: Das seien Stammesfehden, und den Kampf fürchte er nicht. Als Lerch ihn bittet, die Fehde zwischen Sivan und Awdullah Beg zu erzählen, lehnt Hassan zunächst ab: Er faste und wolle rauchen.
Die Anmerkungen der beiden Zeugen ergänzen einander. Die deutsche Ausgabe erklärt ausdrücklich, es sei Ramazan gewesen; Lerch habe Hassan eine Pfeife angeboten, dieser habe aber widerstanden. Lerch habe die Hoffnung nicht aufgegeben und Hassan nach einigen Tagen dazu gebracht, einige Fehden zu erzählen, allerdings nur unter vier Augen. Die russische Fassung gibt denselben Schluss knapper: Nach einigen Tagen sei es Lerch gelungen, Hassan zu bewegen, von einigen Fehden kurdischer Stämme und Häuptlinge zu berichten, deren Zeuge er gewesen war.