Zazaca Öğren

Die Fehde zwischen Nyêrib und Sivan

Eine Fehde-Erzählung, die damit beginnt, dass ein junger Mann aus Nyêrib in Horsig stiehlt und getötet wird; danach folgen Drohungen, Kampf und schließlich Versöhnung zwischen Xalef Agha und Avdulah Agha.

URL: https://zazacaogren.com/lesson/lerch-kauge-nyerib-u-sivani/

Die Fehde zwischen Nyêrib und Sivan

Inhaltliche Warnung

Gewalt; Tod

Erwähnte Personen

Xalef Agha; Avdulah Agha; Mela Ahmed/Qafon; Huseyin; Hayder Agha; Sele.

Historischer Kontext

Diese Erzählung verbindet lokale Konflikterinnerungen der Linie Sivan/Servi-Palu mit der Linie Nyêrib/Hani. Horsig ist sehr wahrscheinlich der in Sivan-Dorflisten als Horsik belegte Ort, das heutige Saklıca. Im Text wird Xalef Agha daran erinnert, dass er bereits in Hyêni gekämpft habe; dadurch steht diese Erzählung nach der Nyêrib-Hyêni-Fehde. Als Arbeitsdatierung eignet sich ungefähr 1820-1853.

Forschungsnotiz

Die Zuordnungen Sivan/Servi, Horsig/Horsik/Saklıca und Nyêrib/Nerib/Kuyular sind durch externe Quellen gestützt. Şelê passt am besten zu den Dörfern Şelli/Turalı auf der Hani-Seite; auch Kieperts Karte zeigt nordöstlich von Hani bei Gjaurköi einen Schel-ähnlichen Namen. Für Kelan ist der derzeit stärkste Kandidat Kelahsı/Kelaxsi in Sivan-Dorflisten, das heutige Doğanlı; Tawricyê bleibt unsicher.

Erwähnte Orte

ZazakiDeutsch
Kawğê Nyêrib û Sivani
Die Feindseligkeiten zwischen Nyêrib und Sivan
Veri coan yaw lacêkû Nyêrbic şê Sivang, 'Horsigê dızdêyê, bani Mêla A'hmêdi Qafan akêrd, pûrti Mêla A'hmêdi Qafan gêrawt bêrû.
Einst ging ein junger Mann aus Nerib nach Horsig in Sivän, um zu stehlen, öffnete das Haus des Mel'a Ahmed Qafan, nahm dessen Pelz (und) ging damit davon (trug ihn davon).
Laci Mêla A'hmêdi 'Hûsêyni di enoê dızd, tepişt va kê dızdê ra: tê qangcaray.
Der Sohn Mel'a Ahmed’s, Husein bemerkte diesen Dieb, packte (ihn und) sagte (ihm): wo bist du her?
Dızdi va kê: ez Nyêribraya.
Der Dieb sagte: ich bin aus Nerib.
Laci Mêla A'hmêdi va kê: tê Nyêribdê, qam Nyêribdêy.
Der Sohn Mel’a Ahmed’s sagte: du bist aus Nerib, aus welchem Nerib?
Dızdi va kê: ez Deştêy 'Henzira.
Der Dieb sagte: ich bin aus Destei Henzi.
Laci Mêla A'hmêdi va kê: tê qam me'hladi.
Der Sohn Mel'a Ahmed’s fragte: aus welchem Mahal?
Dızdi va kê: ez me'hlay Şêynangda.
Der Dieb sagte: aus dem Mahal Seinän.
Laci Mêla A'hmêdi va kê: tê qawi amêy malê mê bêni.
Mel'a Ahmed’s Sohn fragte: warum kamst du?
Dızdi va kê: ez Nyêrbida amêya malê twê, dızdêy bıkêra, bêra twê ez dyang, lakimkê ez ha bêna, zor bêna.
warum bist du in meinem Hause? Der Dieb antwortete ich (Einwohner) von Nerib kam in dein Haus, um Diebstahl zu verüben. Und wurde von dir hier getroffen, darum bin ich hier, (wisse aber,) dass ich stark bin.
Laci Mêla A'hmêdi wica serêy dızdi têra kêrd, 'habêrê êrşawûtê Nyêrib Xalef ağayri va kê: we Xyeni nêbê, twê têdê kawğê kêrdini, tû 'Hyênici pyêrû kişti ardi emani ser.
Mel’a Ahmed's Sohn erschlug sogleich den Dieb, sandte einen Boten zu Xalef Agha und liess sagen: komme nicht nach Hyeni (?).
Xalef ağay 'habêrê erşawûtê Avdûlah ağay Kêlang va kê: mê Nyêribdê kawğê kêrd, lakimkê wexti xoêdê 'hadre bê, twê merdümi mê kişt, bızani kê: ez vist merdümi twê yaw merdümi xoê vera kişênya.
Xalef Agha sandte einen Boten zu Avdül’ah Agha nach Kelan und liess sagen: ich habe mit (denen von) Nerib gekämpft (?), darum sei zu deiner Zeit bereit, du hast einen der Meinigen erschlagen, (so) wisse (denn), dass ich für einen der Meinigen zwanzig der Deinigen tödten werde.
Avdûlah ağay 'habêrê êrşawûtê Xalef ağayri va kê: waxtê xoêdê 'hadre bê, ez mêyştê eskêri xoê gêna, yêna awkay Şêlê ver, tızi wicara eskêri xoê bıgi, byê Cayt ver, ma kawğê bıki, nyavawkê tê serêy mê wêni, nyavawkê ez serêy twê wêna.
Avdül’ah Agha sandte einen Boten zu Xalef Agha und liess sagen: sei deiner Zeit bereit, morgen führe ich mein Heer, komme zum Bache Sel’e, führe auch du dein Heer dorthin, komme gen Dait, wir werden uns lange schlagen, bis du mich oder ich dich getödtet habe.
Xalef ağay 'habêr erşawûtê Avdûlah ağayri va kê: eskêri mê 'hadraw, enkay ez amêya Dêyştêdê tızi warzê eskêri xoê bıgi, byê awkay Şêlê ver, ma kawğe bıki.
Xalef Agha sandte, einen Boten zu Avdül’ah Agha und liess sagen: mein Heer ist bereit, sobald ich nach Dait komme breche du auch auf, führe dein Heer (und) komme zum Bache Sel’e, wir wollen uns schlagen.
Enoê kawğe Tırkan nyû, enoê kawğê aşiranû, tı byê xoêri vyênê.
Dies wird kein Kampf zwischen Türken, sondern eine Stammesfehde sein, sieh zu, dass du kommst.
Avdûlah ağay 'habêr erşawûtê dawang va kê: çaw mevindi, mêyştê awkay Şêlê verdê kawğê maw, Nyêrbicanû.
Avdül’ah Agha sandte Botschaft zu den Dorfbewohnern und liess sagen: dass Keiner säume, morgen haben wir einen Kampf bei dem Bache Sel'e mit denen von Nerib.
Dawang 'habêr erşawûtê Avdûlah ağayri va kê: mevindê, çikas mali Nyêribi estû bıdê ma, ma pêynyay dawani Nyêribi veşnêni.
Die Dorfbewohner sandten einen Boten zu Avdül'ah Agha und liessen sagen: säume nicht, alles Eigenthum, welches es nur giebt in Nerib, überlasse du uns, wir wollen die Dörfer in Nerib niederbrennen.
Avdûlah ağay 'habêr erşawûtê dawani va ke: metêrsi, seri mıri, mal şımari.
Avdül’ah Agha sandte einen Boten zu den Dorfbewohnern und liess sagen: fürchtet nicht, die Köpfe (gehören) mir, das Eigenthum (gehört) euch.
Dawang va kê: ma emşoê nyêvindêni, ma vardêni, ma swêni awkay Şêlê vêr, kawğe kêni, mevindê, tızi byê.
Die Dorfbewohner sagten: diese Nacht werden wir nicht säumen, werden aufbrechen, werden zum Bache Sel'e kommen und uns schlagen, säume nicht, komme auch du.
Sêbah Avdûlah ağa werişt bê êspar, eskêri xoê top kêrd, va kê eskêri xoêra: oğil, mevindi, ma şyêri kawğe, metêrsi, Nyêrbici çani, kawğe aşiranû, serê mıri, mal şı-mari.
Am Morgen sass Avdül'ah Agha auf, versammelte seine Schaar und sagte zu ihr: Söhne, zögert nicht, wir gehen zum Kampf. Fürchtet euch nicht, derer von Nerib sind wenige, es ist eine Stammesfehde, die Köpfe (gehören) mir, die Beute (gehört) euch.
Dûmilbazi day püroê, Avdûlah ağa kawt eskêri ver, şê awkay Şêlê ver, eskêri Xalef ağay nyamaw, erş kêrd, va kê eskêri xoêra: serê mıri, mal şımari, dawang veşni.
Man schlug die Trommel (und) Avdül ah Agha führte sein Heer zum Bache Sel'e; Xalef Agha ’s Heer war (aber) nicht gekommen; (da) befahl er sich in Bewegung zu setzen und sagte zu seiner Schar: die Köpfe (gehören) mir, die Beute (gehört) euch, sengt die Dörfer.
Eskêrê Avdûlah ağay şê dewi Xalef ağay, gêrawti şêş dewi, veşnay, ağêray, amêy kêyê, Avdûlah ağa da mal eskêri xoê.
Avdül’ah Agha’s Heer ging auf die Dörfer Xalef Agha’s, nahm sechs Dörfer, brannte sie nieder, zog sich zurück und kehrte heim.
Yaw aşmê mênd.
Avdül'ah Agha überliess die Beute seinem Heere.
Xalef ağay 'habêrê erşawûtê Avdûlah ağayri va kê: twe ehêndê eskêri mê kişt, twê şeş dawê mê veşnay, taalan kêrdi, waxtê xoêdê 'hadre bê, ez ena gêlankê yêna, qancawkê dewi twê mê di ez veşnêna, taalan kêna heta yaw şewê, çoacû'hi nyêvêrdana, heminê serê bırmêna.
Es verging ein Monat.
Avdûlah ağay 'habêr erşawûtê Xalef ağayri va kê: cay xoêdê rê'hat vındê, ekê ena gêlankê ez amêya twêra yaw kêrga koêrê nyêvêrdanû.
Xalef Agha sandte einen Boten zu Avdül’ah Agha und liess sagen: du hast Einige aus meinem Heere getödtet, du hast sechs meiner Dörfer niedergebrannt (und) geplündert, sei deiner Zeit bereit, dieses Mal komme ich, auf welche deiner Dörfer ich auch nur stosse, ich brenne sie nieder und plündere sie bis in die Nacht hinein, verschone kein Kind, reisse Allen die Köpfe Avdül ah Agha sandte einen Boten zu Xalef Agha nnd liess sagen: bleibe nur wo du bist, wenn ich dieses Mal komme, verschone ich bei dir kein blindes Huhn.
Xalef ağay 'habêr erşawûtê Avdûlah ağayri va kê: tê byê xoêri, vyênê.
Xalef Agha sandte einen Boten zu Avdu lall Agha und liess sagen: sieh zu, dass du kommst.
Avdûlah ağa werişt bê êspar, dümilbazi da püroê, eskêri xoê ame pyêser.
Avdül'ah Agha sass auf, liess die Trommel schlagen, zog sein Heer zusammen.
Avdûlah ağa va kê eskêri xoêra: çoacû'hi ma 'ha şwêni kawğe, metêrsi, ena gêlankê çewi meverdi, heminê bıksi, serê mıri mal sımari.
Er sagte zu demselben: wir gehen uns mit Kindern schlagen, fürchtet euch nicht, dieses Mal schonet Niemand, tödtet Alle, die Köpfe (gehören) mir, die Beute (gehört) euch.
Eskêri va kê Avdûlah ağayra: peki, êfêndim, Alah cani twê sağ bêdû, hetakê pêynyay ma nyêmêrû, twêri çi çinyû.
Das Heer sagte dem Avdül’ah Agha: wohl Gebieter, möge Gott deine Seele bewahren! lange wir nicht sterben, hast du nichts zu fürchten (ist dir nichts).
Avdûlah ağay va kê: afêrêm oğil.
Avdül’ah Agha sagte: danke, Kinder! Avdül’ah Agha liess die Trommel rühren, befahl seinem Heere vorzuschreiten, zog in’s Gebiet von Melekan und sah, dass Xalef Agha’s Heer die Patronen zusammentrug.
Avdûlah ağay dümilbazi day püroê, eskêri xoê erş kêrd, şê dyari Mêlêkani, awnya kê eskêri Xalef ağay tabûrê bêsta.
Avdül’ah Agha liess sein Heer vorschreiten und sagte: die Köpfe (gehören) mir, die Beute (gehört) euch, geht und tödtet Alle.
Avdûlah ağay eskêri xoê erş kêrd va kê: seri mıri mal şımari, metêrsi, şyêri bıksi heminê.
Das Heer Avdül’ah Agha’s ging gegen Xalef Agha's Heer, kam bis Tauridye und schlug sich; Xalef Agha’s Heer floh, das von Avdül’ah Agha verfolgte es, plünderte sämmtliche Häuser in den Dörfern, tödtete alle Hirten von Nerib (und) führte alle Heerden weg.
Eskêri Avdûlah ağay şê eskêri Xalef ağay weta amê bı Tawricyê, kawğe kerd, eskêri Xalef ağay rema, eskêri Adûlah ağay pêyra kawt, bana dewi pyêrû taalan kerdi, sûanêy Nyêrbican pyêrû kişti, pesi cinê pyêrû ard.
Es verstrichen zwanzig Tage, da zog Xalef Agha gen Qotwesan zu H'aider Agha und sagte ihm: ich begebe mich unter deinen Schutz, Avdül ah Agha Kelan hat mein ganzes Heer getödtet, hat alle meine Dörfer niedergebrannt (und) geplündert.
Mênd vist roc, Xalef ağay şê kawt kêy Qotwesan, 'Haydêr ağara va: ez kawta bê'hti twê, Avdûlah ağay Kelang eskêri mê pyêrû kişt, dewi mê pyêrû veşnay, taalan kerdi.
Haider Agha sagte zu Xalef Agha: was sagst du mir?
'Haydêr ağa va kê Xalef ağayra: tê mêra vani sê, ez nyêşyêna Sivangcandê kawğe bikêra, Sivangci pêynyay ma heminê kişêni.
ich gehe nicht mit denen von Sivän mich schlagen, sie tödten uns Alle.
Xalef ağay va kê: ez kawta be'hti twê, byê mê berê kêy Avdûlah ağay, ma pya weşi kê, çıkaskê kêyfi twê wazênû ez mal dana twê.
Xalef Agha sagte: ich begab mich unter deinen Schutz, komme mit mir in’s Haus Avdül ah Agha's, versöhne uns, was du nur begehren magst an Gütern, will ich dir geben.
'Haydêr ağa werişt bê êspar, kawt Xalef ağay ver, amêy şi Sivan, kawti kêy Avdûlah ağay.
Haider Agha sass auf, nahm Xalef Agha mit, kam nach Sivän und ging in s Haus des Avdül’ah Agha.
Haydêr ağa hiryê gêlankê şê lawna Avdûlah ağa lingêrû va kê: tê ağay ena gêlankê bıdi ricay mê Xalef ağay.
Drei Mal küsste er dem Avdül ah Agha die Füsse (und) sagte: Agha, verschone um meinetwegen den Xalef Agha.
Avdûlah ağa va kê Xaydêr ağara: ekê tê nyamêyni mê Xalef ağayra yaw zirot vera nyêdani, ez ka pêynyay dawani Nyêribi veşna, heminê taalan ka, çımkê tê amêy mê Xalef ağa kerd baxşi twê.
Avdülah Agha antwortete dem H'aidür Agha: wärest du nicht gekommen, hätte ich dem Xalef Agha nicht einen Buben zurückgegeben, ich hätte seine Dörfer niedergebrannt, alle geplündert, (doch) da du gekommen bist, schenke ich dir den Xalef Agha.
'Haydêr ağay lawna Avdûla ağa serêrû şê Xalef ağa ard, lawna Avdûlah ağa lingêrû, Avdûlah ağa lawna Xalef ağa destrû, pya bê weşi, xalay day pyêra.
Haidör Agha küsste den Avdül’ah Agha auf den Kopf, ging (und) brachte den Xalef Agha herein; dieser küsste dem Avdülah Agha die Füsse. Avdülah Agha küsste ihm die Hand, darauf versöhnten sie sich (und) tauschten gegen einander Chalate aus.
Xaydêr ağa werışt, xatır wayşt Avdûlah ağayra, Xalef ağa gêrawt, şi kêyê.
Haider Agha sass auf, verabschiedete sich von Avdül’ah Agha, nahm den Xalef Agha mit (und) zog nach Hause.
Têrêk na.
Es war keine Fehde mehr.

Quellen

Russian original edition

Lerch, Peter Ivanovich. Izsledovaniia ob iranskikh kurdakh i ikh predkakh, severnykh khaldeiakh. Vol. 1. St. Petersburg: Imperial Academy of Sciences, 1856. Story "Nepriiiazn mezhdu Neribom i Sivanom," printed pp. 103-108.

Seiten: Russian RGO viewer images 117-122; printed pp. 103-108.

Primary scan witness for Lerch’s Zazaki transcription and Russian free translation.

German edition / reprint scan

Lerch, Peter. Forschungen über die Kurden und die iranischen Nordchaldäer. Abth. 1. St. Petersburg: Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, 1857. Story "Die Feindseligkeiten zwischen Nerib und Sivän," pp. 109-115.

Seiten: Internet Archive scan pages n108-n114; printed pp. 109-115.

Used for the German free translation and as a second scan witness for the Zazaki transcription.

Bingöl University thesis transcription

Aslanoğulları, Mehmet. Lerch’in Zazaki Derlemelerinin Çevrimyazımı ve Türlerine Göre Sözcüklerin Tahlili. Master’s thesis, Bingöl Üniversitesi, 2014.

Seiten: PDF pp. 50-55; thesis printed pp. 43-48; story heading "Qewğê Nêrib û Siwonı."

Secondary transcription witness used during alignment and review. The transcription text is cited here but is not reproduced in the Interlinear view.